Singen verbindet
zu Besuch bei der Brunnsbo Korskolan
So ähnlich und doch so verschieden - so lässt sich die Erfahrung unserer kleinen Reisegruppe mit dem Namen „sotto voce“ zusammenfassen. Die Brunnsbo Korskolan in Göteborg hat sich genau wie unsere Schule in Teilen auf Musik spezialisiert, jedoch hier hauptsächlich auf das Singen. Und so sind wir neugierig in Kiel auf die Fähre gegangen, um am nächsten Morgen in einem ganz anderen Land aufzuwachsen. Schon allein die großflächige Abwesenheit von Bargeld stellt unsere Schüler-innen und Schüler auf eine harte Probe, denn nicht alle verfügen über digitale Zahlungsmittel. Es wird sich notgedrungen gegenseitig ausgeholfen - auf die Gemeinschaft ist Verlass.
Unsere Gastgeber sind uns von einem Wochenende in Kiel schon bekannt und empfangen uns mit offenen Armen. Fleißig wird auf Englisch parliert; neugierig erkunden die Schülerinnen und Schüler die Unterbringung und berichten anderntags davon. Gleichzeitig wird mir als Lehrkraft von schwedischer Seite berichtet, wie nett sich das Gespräch mit unseren Schülerinnen und Schülern gestaltet. Da sind wohl einige von ganz alleine in die Rolle der Botschafter unseres Landes geraten. Vor allem beeindruckt uns alle das intensive Engagement der Eltern, die hier alles wuppen, von Organisation bis hin zur Outdoorküche für fünfzig Personen am Abend in einem wunder-schönen Park, in dem gemeinsam und selbst-verständlich mit deutsch-schwedisch-gemischten Mannschaften „Kubb“ gespielt wird.
Gemeinsam singen und proben wir „nu är kommen den lyckliga tid“ und „Jag unter dig ändå alle gott“, wobei sich bei letzterem die erfahrenen Sängerinnen und Sänger unter uns vor allem für die spezifisch folkige Stimmgebung und die spannen-den kleinen Verzierungen interessieren. Schnell finden Schweden und Deutsche bei Liedern mit Nonsenssilben zusammen ("dum di dum“ und „Bim bam“). Und gemeinsam studieren alle ein „evening rise“ als Abendgruß für das bevorstehende Konzert ein. Singen stärkt das Gemeinschaftsgefühl und überbrückt Grenzen - genau das wird hier eindrucksvoll klar.
Als Sparringspartner fungieren unsere Schülerinnen und Schüler in einer Deutschstunde - sicherlich nicht „typisch schwedischer Unterricht“, aber auf der anderen Seite ein Beispiel für die skandinavische Vorliebe für niedrigschwelligen Zugang. Das Erlebte wird im Nachhinein in einer ausgiebigen Gesprächsrunde reflektiert.
Der Workshop „schwedischer Volkstanz“ bringt mit der „Slängpolska“ alle in schwungvolle Bewegung (siehe Video). Unsere tanz-begeisterte Gruppe genießt das gemeinsame Bewegungsangebot und setzt die Anweisung unserer Tanztrainerin gerne um: „Es geht vor allem darum, dass ihr Spaß habt!“ Und die Tanzenden haben dabei gar nicht gemerkt, wie sie mit leichten Schritten in das große Gebiet des schwedischen Volkstanzes aufgebrochen sind. Am Nachgespräch äußern einige Bedauern, dass es so eine Tradition in Deutschland kaum zu geben scheint.
Abschluss und Höhepunkt bildete das gemein-same Konzert in der deutschen Kirche in Göteborg, aus dem alle mit viel Applaus und mit gestärktem Selbstbewusstsein herausgehen. Eine letzte Umarmung, und dann müssen wir auch schon wieder die Fähre besteigen: Alle sind sich einig: „Das war viel zu kurz“.